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Termine am 14. Juli 2020

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Von Hilmar Kranenberg im Bereich Allgemein.

Predigt zu Palmsonntag 2020

Liebe Gemeinde,

himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt, so begehen wir im Gedenken an Jesus die kommende Woche. Auf der einen Seite ist da der Einzug Jesu in Jerusalem, wir hörten es ja gerade im Evangelium. Von jubelnden Menschenmassen begleitet zieht er nahezu triumphierend in die Stadt ein. Und dann, nur ein paar Tage später, seine Hinrichtung am Kreuz. Jämmerlich hängt er da und stirbt, von niemandem bejubelt, von nur wenigen betrauert. So schnell ändert sich die Stimmung. Solch ein Stimmungswandel ist auch in unsrem heutigen Predigtabschnitt zu finden. Er findet sich im Markusevangelium, im 14. Kapitel.

(Markus 14, 3-9): Als Jesus in Betanien im Hause Simons des Aussätzigen war und zu Tische lag, da kam eine Frau herein, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem kostbaren Nardenöl. Und sie zerbrach das Gefäß und goss es über sein Haupt. Da sagten einige der Anwesenden empört zueinander: „Was soll diese Vergeudung des Salböls? Man hätte das Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen und das Geld den Armen geben können!“ Und sie fuhren sie an. Jesus aber sprach: „Lasst sie! Was behelligt ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn ihr habt allezeit Arme bei euch und wenn ihr wollt könnt ihr ihnen Gutes tun - mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat getan was sie konnte: Sie hat meinen Leib im voraus zu meinem Begräbnis gesalbt. Amen, ich sage euch: Wo immer das Evangelium verkündigt wird in der ganzen Welt, da wird auch von dem die Rede sein, was sie getan hat – ihr zum Gedächtnis.“

Eine fröhliche Runde sitzt da im Haus des Simon zusammen. Man isst, trinkt und freut sich auf das bald beginnende Passafest, das sie gemeinsam in Jerusalem feiern wollen. Plötzlich kommt diese Frau herein. Ein kostbares Gefäß hält sie in der Hand und darin ist eine noch kostbarere Flüssigkeit: Nardenöl, ein wohlriechender und sicherlich sehr teurer Import aus dem weit entfernten Indien. Alle sehen sie verwundert an. Doch dann folgt der Skandal: Sie zerbricht die edle Flasche und gießt das teure Öl auf das Haupt Jesu. „Was für eine Verschwendung! Die schöne Flasche, das teure Öl! Man hätte das Geld doch den Armen geben können!“ so die Empörung einiger Zeugen des Geschehens.

Das kann man ja auch verstehen. Stellen Sie sich mal vor, Sie haben eine Flasche wirklich teuren und sehr seltenen Parfums. Es gibt ja so manche Fläschchen, die kosten 100 Euro und mehr. Und dieses Parfum versprühen Sie, einfach mal so. Und das bei Menschen, die Sie nur vom Sehen und Hörensagen kennen. Was für eine Verschwendung! Und um das Ganze noch auf die Spitze zu treiben: Die geschätzten 300 Silbermünzen entsprechen heute, so las ich, etwa 20.000 Euro. Was für ein Geld, was für eine gewaltige Verschwendung!

Ja, manchmal sind wir verschwenderisch. Im Privaten sowieso, aber auch in der Kirche. Wussten Sie, dass ein normaler Sonntagsgottesdienst um die 1500 Euro kostet, wenn man den Stundenlohn für Pfarrer, Organistin und Küster und die Kosten für Reinigung, Heizung und Strom zusammenrechnet? Und was hat frühere Generationen wohl der Bau der Kirchen gekostet! Viele Kirchen wurden um einiges größer gebaut als man sie brauchte. Und dazu noch die oft prunkvolle Ausstattung aus wertvollem Material, oft gestaltet durch hochangesehene und gut bezahlte Künstler. Hätte es nicht auch ein schmuckloser Saal getan, den man vielleicht noch kostengünstig an den anderen Tagen der Woche für Versammlungen, als Festsaal, Kaufhaus oder Schule nutzen könnte? „Was für eine Verschwendung!“ könnte man ausrufen. Und das alles zur Ehre Gottes.

Man hätte das Geld den Armen geben können! Die Gäste im Haus des Simon und genauso wir heute wissen gut, was man mit fremdem Geld alles Gutes tun könnte. Aber steht da einer der Gäste auf, nimmt sich einen Korb oder einen Beutel und sammelt unter den anderen Gästen für die Armen? Und das wo Simon, der Gastgeber, sie sicherlich eingeladen hat. Die Kosten für die Mahlzeit haben sie also schon einmal gespart. Ja, die geschätzten 300 Silbermünzen waren ein kleines Vermögen. So viel hatte sicher keiner der Gäste. Aber einen kleinen Teil davon hätte so eine kleine spontane Kollekte schon ergeben. Doch auf diese Idee kam niemand von ihnen, nicht vorher und nicht nachher. Ob es bei der Diskussion in der Männerrunde wohl daran lag, dass dieses kostbare Öl im Besitz einer Frau war? Wir wissen es nicht und es hat auch keinen Sinn darüber zu spekulieren. Auch nicht, woher denn die Frau dieses Öl hatte.

Man könnte doch so viel Geld den Armen geben! So ist es derzeit ja auch wieder. Großkonzerne teilen dem Staat und den Medien mit, wie viele Millionen Finanzhilfe sie benötigen, um die Coronaschließungen einigermaßen unbeschadet zu überstehen. Große Ketten wollen die Miete für ihre Läden während der Zwangsschließung nicht zahlen. Davon kann der kleine Gastwirt oder Friseur nur träumen. Und dann sind da noch die von ganz unten, die Obdachlosen, die Empfänger von Sozialleistungen. Die haben es auch schwer: Keine Menschen mehr auf der Straße, die einem einen Euro in die Schale legen, auch viele Tafeln mit den preiswerten Lebensmitteln haben geschlossen, in den Supermärkten sind Reis und die billigen Nudeln seit Wochen ausverkauft und so weiter. Ja, man könnte viel Geld den Armen geben. Das gilt nicht nur heute und das galt nicht nur zur Zeit Jesu. Arme habt ihr immer bei euch, sagt Jesus und damit hat er Recht. Doch wo es Arme gibt, da gibt es auch Reiche. Wäre es anders, dann wären Vermögen und Einkommen auf alle Menschen gleich verteilt. Also gilt genauso: Reiche habt ihr immer bei euch. Und auch die könnten jederzeit etwas von ihrem Vermögen den Armen geben. Doch ich will jetzt nicht weiter darüber nachdenken, auch wenn es die Zeugen dieses Geschehens taten. Denn in dieser Geschichte geht es gar nicht um Armut und Reichtum, das ist nur ein Nebenthema. Hier geht es um Jesus, es geht um Verschwendung zur Ehre Gottes. Und es geht um die Vorankündigung des Todes Jesu.

Jesus bremst die Empörung seiner Freunde: Arme habt ihr immer. Aber mich nur noch eine kurze begrenzte Zeit. Und vor allem: Sie hat meinen Leib im Voraus für mein Begräbnis gesalbt.

Sie kennen bestimmt die Geschichte: In der jüdischen Tradition war es so, dass die Toten vor der Grablegung gesalbt wurden. Doch als der tote Jesus vom Kreuz abgenommen wurde, war dafür keine Zeit mehr. Denn es war kurz vor Sonnenuntergang, der Sabbat begann. Und als die Frauen dann mit zwei Tagen Verspätung nach dem Sabbat die Salbung nachholen wollten, fanden sie das leere Grab. Die traditionelle Salbung nach dem Tod fiel also aus, dafür gab es diese Salbung vor dem Tod. Und diese Salbung hat auch noch eine doppelte Bedeutung. Einerseits eine vorweggeholte Salbung des Toten. Das weist uns hin auf das Wort des Engels am Grab: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Und andererseits zeigt es uns, wie wir Jesus verstehen sollen. Nämlich als den Gesalbten, auf Hebräisch den Messias, auf Griechisch den Christus. Deshalb wohl auch das sündhaft teure Öl. Ein Öl, das für eine normale Leichensalbung viel zu kostbar ist. Genutzt wurde es aber beispielsweise für die Salbung von Königen anlässlich ihrer Krönung. Diese Salbung Jesu ist also eine doppelte: Zum einen weist sie auf seinen baldigen Tod hin. Zum anderen zeigt sie den Zuschauern und den späteren Lesern des Evangeliums auch, wer dieser Jesus aus Nazareth ist. Er ist der Gesalbte, der Christus.

Das alles klingt jetzt vielleicht ein wenig kompliziert, vielleicht sogar verwirrend. So vieles kommt da zusammen. Doch im Markusevangelium beginnt mit dieser kurzen Erzählung die Passionsgeschichte, also die letzte Lebenswoche Jesu. Und deshalb weist die Geschichte auf die drei wesentlichen Punkte dieser Woche hin: Zunächst einmal die Begeisterung am Palmsonntag, wo der Jubel der Massen Jesus umgibt. Auch die Gäste im Haus des Simon werden bei bester Stimmung gewesen sein, bis Jesus mit seiner Bemerkung zu der Salbung ihnen die Stimmung verdarb. Als zweites der Tod am Kreuz. Tote wurden gesalbt, darauf weist auch Jesus mit seiner Bemerkung hin. Und schließlich die Auferstehung. Jesus wird nun deutlich der Gesalbte, der Messias oder Christus.

Viele Facetten sind das in einer kurzen Episode. Wenn man in dieser Geschichte nach einer Art rotem Faden sucht, dann ist das wohl das teure Öl. Zunächst dient es der Salbung Jesu, dann wird es Thema der Empörung und schließlich weist es hin auf das, was kommt: Der Tod und die Auferstehung.

Und die namenlos bleibende Frau, die Hauptakteurin dieses Geschehens? Sie sprach kein Wort, zumindest ist uns keines überliefert. Sie kommt herein, gießt das teure Öl auf Jesus Haupt, hört sicher die empörten Kommentare und vermutlich auch noch Jesu Worte. Und dann verschwindet sie wieder im Rätselhaften. Wir wissen nichts über sie. Aber der letzte Satz unseres Predigtabschnitts, der bleibt: „Wo auch immer in der Welt das Evangelium verkündigt wird, wird auch erzählt werden, was sie getan hat.“ So ist es, liebe Gemeinde. Wir hören von der Tat einer Namenlosen, die bewahrt wird bis heute. Doch wer sie war, warum sie dies tat und woher sie das Öl hatte, das werden wir nicht klären können. Wozu auch? Vielleicht – keiner weiß es – war sie auch ein Engel, eine Botin Gottes. Möglich ist auch dies, alles bleibt im Bereich der Vermutungen und Phantasien. Wichtig ist bei all dem nicht das Woher und Warum, sondern dass sie die einzige war, die Jesus die gebührende Ehre erwies. Er ist der Gesalbte, der Christus im Leben, im Sterben und in der Auferstehung und das zeigte sie deutlich. Dass die anwesenden Gäste dies alles nicht begriffen, sondern sich in Diskussionen über diese Verschwendung verloren, ist nicht weiter erstaunlich. Denn wenn wir ehrlich sind müssten wir zugeben: Wir hätten es wohl auch nicht begriffen, wir hätten uns auch über diese Verschwendung aufgeregt. Doch wie vorhin gesagt: Es war eine Verschwendung zu Ehren Gottes. Und für Gott sollte uns doch nichts zu teuer sein. Oder was meinen Sie?

Schlagworte: predigt