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Von Hilmar Kranenberg im Bereich Kirche.

Liebe Gemeinde,

für Jesus war das gemeinsame Essen sehr wichtig. Und das nicht nur an dem Abend vor
seiner Kreuzigung, als er das Abendmahl einsetzte. Ein Mahl, welches auch in Zukunft die Gemeinschaft der Glaubenden untereinander und mit Jesus erlebbar macht. Auch sonst erzählen die Evangelien immer wieder davon, wie Jesus mit den Menschen beim Essen zusammensitzt und sich unterhält. Solch eine gemeinsame Mahlzeit bietet einen guten, entspannten Rahmen für ein Gespräch über Gott und die Welt. Da sind wir heute auch nicht anders. Auch die Begegnungen der Jünger mit dem auferstandenen Jesus haben öfters etwas mit Essen zu tun. Am bekanntesten ist sicher die Geschichte von den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus. Bei der Mahlzeit erkennen sie in ihrem Gesprächspartner plötzlich den auferstandenen Herrn.

In der Erzählung, die uns heute beschäftigen soll, lädt Jesus einige Jünger zum Grillen am Strand ein. Sie findet sich im letzten Kapitel des Johannesevangeliums:

Danach zeigte sich Jesus den Jüngern noch einmal, am See von Tiberias. Und er zeigte sich so: Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Natanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren beisammen. Simon Petrus sagt zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagen zu ihm: Wir kommen auch mit dir. Sie gingen hinaus und stiegen ins Boot und fingen nichts in jener Nacht. Als es aber schon gegen Morgen ging, trat Jesus ans Ufer; die Jünger wussten aber nicht, dass es Jesus war. Da sagt Jesus zu ihnen: Kinder, ihr habt wohl keinen Fisch zum Essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sagt zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet einen guten Fang machen. Da warfen sie es aus, und vor lauter Fischen vermochten sie es nicht mehr einzuziehen. Da sagt jener Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr. Als nun Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, legte er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich ins Wasser. Die anderen Jünger aber kamen mit dem Boot - sie waren nämlich nicht weit vom Ufer entfernt, nur etwa zweihundert Ellen - und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her. Als sie nun an Land kamen, sahen sie ein Kohlenfeuer am Boden und Fisch darauf liegen und Brot. Jesus sagt zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt. Da stieg Simon Petrus aus dem Wasser und zog das Netz an Land, voll von großen Fischen, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, riss das Netz nicht. Jesus sagt zu ihnen: Kommt und esst! Keiner von den Jüngern aber wagte ihn auszuforschen: Wer bist du? Sie wussten ja, dass es der Herr war. Jesus kommt und nimmt das Brot und gibt es ihnen, und ebenso den Fisch. Das war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern zeigte, seit er von den Toten auferweckt worden war. (Joh 21, 1-14)

Wir lesen eine Erzählung mit vielen Facetten. In diesen 14 Versen steckt so einiges über unser Leben, unseren Glauben und über Jesus Christus. Manches davon möchte ich kurz erwähnen.

Die Vorgeschichte dieser Erzählung wird stillschweigend vorausgesetzt. Einige der Jünger sind wohl wieder in ihre Heimat an den See Tiberias zurückgekehrt, ein paar andere sind mitgekommen. Petrus und seine Freunde kehren zurück in ihren Alltag, so haben sie es vor. Das ist ja auch gut verständlich: Immer nur rumsitzen, Trübsal blasen und an die Vergangenheit denken, hilft auf Dauer nicht. Also machen sie das, was sie schon gemacht hatten, bevor sie Jesus folgten: Sie gehen Fischen. Doch an diesem Tag haben sie kein Glück, die Netze bleiben leer.

Die nun folgende Szene erinnert an die Berufung des Petrus, so wie sie im Lukasevangelium erzählt wird (Lk 5,1-11). Auch dort hat Petrus kein Glück beim Fang, wie das bei Fischern manchmal vorkommt. Aber Jesus fordert ihn auf, nochmals das Netz auszuwerfen und dieses Mal wird es ein voller Erfolg. Und so ist es auch hier: Der Unerkannte am Ufer nennt ihnen die Stelle und wieder füllt sich das Netz.

Die Zahl von 153 Fischen ist etwas rätselhaft. Die meisten Zahlenangaben in den biblischen Erzählungen symbolisieren etwas, zum Beispiel 7, 12 oder 40. Doch eine einleuchtende Erklärung für die Menge von 153 Fischen hat seit mindestens 1800 Jahren kein Ausleger gefunden. Vielleicht hat da jemand nachgezählt, schnell geschätzt oder es ist irgendeine große Zahl, die dem Erzähler spontan einfiel – wir wissen es nicht. Doch im weiteren Verlauf der Geschichte spielt die Zahl der Fische auch keine Rolle, darum lassen wir sie einfach mal so stehen. Merken wir uns einfach, dass das Netz bis zum Zerreißen gefüllt war.

Jesus jedenfalls wird nun von den Jüngern erkannt, sie trauen sich nur nicht ihn zu fragen: „Herr, bis du es wirklich?“ Das ist aber auch nicht nötig, denn sie wissen es ja. Es wäre also eine überflüssige Frage. Er ist da, mitten in ihrem Alltag taucht er plötzlich auf und verändert somit ihre trübe Zukunft. Er reißt sie aus ihrer geplanten Rückkehr in den Alltagstrott.

Wie so oft wenn Jesus da ist, gibt es nun etwas zu essen. Der auferstandene Jesus lädt seine Jünger zum Grillfest ein. Er hat das Feuer schon vorbereitet, auch die ersten gegrillten Fische liegen schon bereit. Es wird sicher ein schmackhaftes und fröhliches Mahl gewesen sein.

Von den Gesprächen am Feuer erzählt der Evangelist nichts. Ob die Jünger Jesus mit Fragen bombardiert haben, ob Jesus ihnen Aufträge gab oder ihnen Mut und Hoffnung zusprach wird nicht erzählt. Es geht hier um die Gemeinschaft, nicht um das Gesagte oder Verschwiegene. Sicher hat der überraschend erfolgreiche Fischzug und das Mahl mit dem Auferstandenen die Jünger verändert, da braucht es keine großen Worte. Sie wissen nun: Jesus ist wirklich der Messias, der Christus. Er lebt und er ist bei ihnen, wenn sie nicht mehr weiter wissen. Ob und wie man das alles erklären kann und soll ist nicht so wichtig. Glaube braucht nicht für alles eine Erklärung.

Was sicher auch wichtig ist und was wir aus dieser Erzählung erfahren: Der Glaube in der Person von Jesus Christus bricht manchmal mitten in den Alltag hinein. Jesu Gegenwart kann uns überall begegnen, ob im Gottesdienst, bei der alltäglichen Arbeit oder auch bei einem fröhlichen Grillfest. Jesus umfasst das ganze Leben, nicht nur einige ausgewählte Momente an Sonn- und Feiertagen oder beim Abendgebet. Nein, Jesus ist da, auf allen unseren Wegen. Es kann sein, das wir ihn nicht direkt erkennen, so wie die Jünger als er am Ufer stand und mit ihnen sprach. Aber er ist da. Und wenn mal etwas nicht so gut läuft, wie zum Beispiel das leere Netz in dieser Geschichte, dann erst recht. Denn was hier nicht weiter erwähnt wird, weil es für den Evangelisten vermutlich selbstverständlich war: Wenn die Fischer nichts fangen haben sie auch kein Einkommen. Das leere Netz bedeutet leere Mägen bei ihnen und ihren Familien.

Auch wenn diese Erzählung zwischen den Evangelien sozusagen ausgetauscht wird, finde ich die Wiederholung des Fischzugs aus dem Lukasevangelium bemerkenswert. Damals, bei seiner Berufung, folgte der Fischer Petrus Jesus auf seinem Weg. Er soll Menschenfischer werden, sagt Jesus damals zu ihm. Nun wird er diesen Weg fortsetzen, die Rückkehr in sein altes Leben als Fischer am See findet doch nicht statt. Die Auferstehung hat also auch für Petrus, der doch immer ganz handfest an die Dinge herangeht, einschneidende Folgen. Die Begegnung mit Jesus, ihm Nachzufolgen war doch nicht nur eine nette Episode von einigen Monaten. Es war weit mehr als das größte Abenteuer seines Lebens, von welcher der alte Fischer später mal den Enkeln erzählen wird. Denn die Sache mit Jesus geht weiter, Petrus bleibt Menschenfischer bis zu seinem Tod. Und so ist es auch mit den anderen Jüngern, die dabei waren. Auch sie wissen spätestens nach diesem Grillfest am See, dass es in ihrem Leben mit Jesus Christus weitergeht. Nicht der Alltag hat sie wieder eingeholt, sondern Jesus Christus hat sie zurückgeholt aus ihrem alltäglichen Trott.

Auch wenn es hier nicht Brot und Wein gibt, sondern Fisch und dazu ein paar Stücke Brot, ist das gemeinsame Mahl wichtig. Am Feuer, als Jesus ihnen die Speise reicht, erfahren die Jünger mit allen Sinnen die Nähe des Herrn.

Die Auferstehung Jesu, um die es an diesem ersten Sonntag nach Ostern natürlich geht, ist ein Fest. Sie ist auch ein unerklärliches Wunder, welches von den Jüngern gar nicht groß hinterfragt wird. Der Herr ist da und der Herr teilt das Mahl aus. Was gibt es da noch groß zu fragen oder zu zweifeln? Und schließlich ist die Begegnung mit Jesus mitten in ihren Alltag hineingeplatzt. So jedenfalls wird es hier erzählt. Mitten hinein in die alltäglichen Höhen und Tiefen des Fischerdaseins kommt Jesus, der Auferstandene. Er verhilft ihnen zu einem großartigen Fang und er lädt sie ein zu seinem Mahl, zur Feier seiner Gegenwart. So wie wir auch in seinem Namen das Mahl feiern würden, wenn dem nicht die aktuellen Hygienevorschriften entgegenstünden.

Das gemeinsame Mahl, von Jesus ausgeteilt, ist vermutlich auch der Grund, weshalb diese Erzählung als Predigttext für den Sonntag nach Ostern ausgewählt ist. An diesem Sonntag empfingen in der frühen Christenheit die zu Ostern neu Getauften zum ersten Mal das Abendmahl im Kreis der Gemeinde. Deshalb feiert die katholische Kirche bis heute an diesem Tag das Fest der Erstkommunion. Dass der Termin heute etwas flexibler geworden ist, liegt ja nicht an Corona, sondern am Priestermangel. Die wenigen katholischen Priester können nicht überall gleichzeitig sein und die erste Kommunion feiern.

Auch ich würde ja wie gesagt gerne das Abendmahl in gewohnter Runde feiern. Aber auch ein Grillfest mit der Gemeinde wäre schön. Doch noch steht dem die Ansteckungsgefahr durch das Coronavirus entgegen. Das haben wir noch nicht im Griff. Warten wir also noch ein paar Wochen, vielleicht zwei oder drei Monate. Doch was zweitausend Jahre Bestand hat, lässt sich von anderthalb Jahren Lockdown nicht so leicht vertreiben. Da sollten wir optimistisch sein und mehr hoffen. Das Gute und Wichtige hat Bestand, auch nach Corona. Also weiter Abwarten bis zur Abendmahlsfeier, bis zum Grillfest.

Denn wenn wir etwas in diesen Coronazeiten lernen, dann ist das nicht nur Solidarität, sondern auch Geduld zu haben. Vieles von unserem Gemeindeleben legt eine Pause ein, das lässt sich nicht verhindern. Und bei manchem wird es uns vermutlich so gehen wie Petrus, der in gewohnter Weise auf den See fährt und seine Netze auswirft. So wie in der Zeit bevor ihn Jesus rief. Aber es klappt nicht mehr. Die alten Wege sind wahrscheinlich nicht mehr alle vorhanden, es wird neue Wege geben. Wege, auf denen uns Jesus begleitet, Wege, die vielleicht ungewöhnlich sind. Ich weiß nicht, wohin uns als Christenheit dieser Weg führt, doch es wird sicher ein Weg mit Jesus sein. Und darum ist es ein guter Weg. Und es ist ein Weg, an dem wir beim Mahl – ob mit gegrilltem Fisch oder traditionell mit Brot und Wein – die Gemeinschaft erfahren und genießen. Die Gemeinschaft der Jüngerinnen und Jünger, zu denen auch wir gehören. Da sind wir in der Nachfolge von Petrus, Thomas, Nathanael und den anderen auf dem Boot. Doch es ist nicht nur die Gemeinschaft in der Gemeinde, sondern genauso ist es auch die Gemeinschaft mit Jesus. Er ist auferstanden und er ist da. Er sitzt mit den Jüngern am Feuer, er ist auch bei uns in Brot und Wein, in Taufe und Gebet, er begleitet unsere Wege, er stärkt uns in schweren Stunden.

An diesem Punkt geht es uns wie Petrus und seinen Freunden. Die Begegnung mit dem auferstandenen Jesus reißt uns aus dem gewohnten Alltag, eröffnet neue Sichtweisen und Wege. Wir wissen: Wir sind nicht allein, er steht am Ufer, beobachtet und hilft uns. Manchmal geht es uns da wie Petrus in dieser Erzählung und wir erkennen ihn zuerst nicht, weil wir mit anderem beschäftigt sind.

Doch am Ende werden wir von ihm eingeladen. Vielleicht zum Grillen, das hätte ja auch was. Ganz bestimmt aber zu einem großartigen Fest ohne Ende. Ein Fest, bei dem Jesus mittendrin ist und uns von all dem befreit, was uns das Leben schwer macht. Was für eine wunderschöne Zukunftsaussicht!

Amen

Schlagworte: predigt

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  • Zuletzt geändert: 28.11.2020 13:24
  • von Manuel Krischer