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Von Hilmar Kranenberg im Bereich Kirche.

Psalm 23

Der HERR ist mein Hirte,

mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

Gnade sei mit uns und Friede von Gott, unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde, An diesem Wochenende, am zweiten Sonntag nach Ostern, ist der sogenannte Hirtensonntag im Kirchenjahr. Darauf einstimmen durften wir uns schon durch die Worte von Psalm 23 zu Beginn unseres Gottesdienstes.

An die wunderbare Zusage, dass der gute Hirte für seine Schafe sorgt und im Zweifel sogar sein eigenes Lebens für sie lassen würde, möchte ich nun mit unserem Predigttext anknüpfen:

Die schlechten Hirten und der rechte Hirt

341Und des Herrn Wort geschah zu mir: 2Du Menschenkind, weissage gegen die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott der Herr: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden? Das Schwache stärkt ihr nicht, und das Kranke heilt ihr nicht, das Verwundete verbindet ihr nicht, das Verirrte holt ihr nicht zurück, und das Verlorene sucht ihr nicht; das Starke aber tretet ihr nieder mit Gewalt. 5Und meine Schafe sind zerstreut, weil sie keinen Hirten haben, und sind allen wilden Tieren zum Fraß geworden und zerstreut. 6Sie irren umher auf allen Bergen und auf allen hohen Hügeln und sind über das ganze Land zerstreut, und niemand ist da, der nach ihnen fragt oder sie sucht. 7Darum hört, ihr Hirten, des Herrn Wort! 8So wahr ich lebe, spricht Gott der Herr: Weil meine Schafe zum Raub geworden sind und meine Herde zum Fraß für alle wilden Tiere, weil sie keinen Hirten hatten und meine Hirten nach meiner Herde nicht fragten, sondern die Hirten sich selbst weideten, aber meine Schafe nicht weideten, 9darum, ihr Hirten, hört des Herrn Wort! 10So spricht Gott der Herr: Siehe, ich will an die Hirten und will meine Herde von ihren Händen fordern; ich will ein Ende damit machen, dass sie Hirten sind, und sie sollen sich nicht mehr selbst weiden. Ich will meine Schafe erretten aus ihrem Rachen, dass sie sie nicht mehr fressen sollen.

Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist. Ja, ihr sollt meine Herde sein, die Herde meiner Weide, und ich will euer Gott sein, spricht Gott der Herr.

Wie ich persönlich finde, haben wir es mit diesen Worten aus dem Buch Hesekiel, mit einer ziemlich eindeutigen Ansage zu tun. Eine Ansage, die von niemand geringerem als Gott kommt. Er bringt seine Meinung ganz einfach und doch strikt auf den Punkt: Die Hirten haben versagt! Versagt in allen ihren Aufgaben, versagt in allen ihren Taten und vielleicht sogar versagt durch ihr ganzes Sein.

Gott klagt an, was die Hirten offensichtlich versäumt haben: die Schwachen zu stärken, Kranke zu heilen, das Gebrochene verbinden, das Verirrte zurückholen, das Verlorene suchen.

Stattdessen haben die Hirten nur ihre eigenen Interessen verfolgt und ohne Rücksicht auf Verluste durch gesetzt. Ja, sie scheinen sich selber geweidet zu haben. Gott wird hier sehr deutlich.

Eine Deutlichkeit die vielleicht nicht zu unserem Bild im Kopf passt, wenn wir an eine Schafherde auf einer großen grünen Weide mit ihrem Hirten denken. Ein sehr von Idylle und Harmonie geprägtes Bild. Ein Bild das mich immer wieder beeindruckt und fasziniert, wenn ich auf eine Schafsherde treffe. In diesen ersten Monaten diesen Jahres war dies glücklicherweise schön öfter der Fall. Meine Familie und ich wurden schon einige Male gänzlich von den Schafen an unserem Haus umringt und konnten den Tieren zum Greifen nahe sein. Gerade für unsere Kinder ist es jedes Mal besonders schön und auch gleichermaßen spannend, wenn sie die Schafe durch unseren Gartenzaun an der angrenzenden Wiese berühren können. Meine größte Freude besteht darin, die kleinen Lämmer zu beobachten und zu sehen, wie sehr sie von ihrer Herde beschützt und begleitet werden. Wie wir Menschen auch, lernen die kleinen Lämmer alles Notwendige für das Leben von ihresgleichen. Keines der Schafe wird hinten angelassen – das eine Schaf, achtet auf das andere Schaf und alle Schafe achten auf IHREN Hirten. Wenn ich mir diese Bilder in den Kopf rufe, meine und unsere Erlebnisse als Familie mit Schafsherden dann und wann am eigenen Garten – ja dann, wird mir selber ganz warm ums Herz.

Das Weideland – die Schafe – der Hirte. Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, liebe Gemeinde, aber für mich gehören diese drei Begriffe untrennbar zusammen. Für mich drücken sie die Symbiose zwischen absolutem Vertrauen, Gemeinschaft, Verbundenheit, Natur als gemeinsamer Lebensraum, Respekt voreinander und Halt aus.

Als Gesamtpaket betrachtet: Fast zu schön, um wahr zu sein.

Und dann diese scharfen Worte in unserem Predigttext. Der Prophet Hesekiel zeichnet das Bild vom schlechten Hirten klar sowie deutlich zugleich und kritisiert damit alle Menschen die ihre Macht missbrauchen. Die Menschen die politische, soziale und religiöse Verantwortung tragen. In der Sicht des Alten Testaments ist hier wohl die Rede von Königen, Priestern, Propheten, Adligen und Ältesten. Machthaber, die auf das eigene Wohlbefinden bedacht und stets in Sorge für sich selber sind. Menschen, für die der Narzissmus an erster Stelle steht und dem Allgemeinwohl nicht gut zugewandt sind. Es ist hier die Rede von den schlechten Hirten. Von Hirten die von Gott so nicht gemeint waren und die sich nun vor ihm verantworten müssen. Gott entzieht ihnen das Hirtenamt und sorgt so für die notwendige Rettung. Er selber führt das Heil herbei.

So verhilft Gott jedem Einzelnen zu seiner Würde anstatt ihn auszunutzen. Und hier steckt der Auftrag für uns, für unser Leben und für unser Miteinander. Es geht um das aufrichtige Interesse am Menschen, an seinem Leben, seinen Sorgen & Ängsten. Es geht darum, was unser Gegenüber berührt und bewegt und das ganz ohne Hintergedanken oder anderen Absichten. Es geht einfach um DEN Menschen, der gerade vor einem steht und zwar so wie er wirklich ist und nicht wie wir ihn vielleicht sehen wollen.

Eine große Anforderung an uns, wenn man das so hört. Und doch können wir uns selber den Druck nehmen, wenn wir uns Jesus als unseren guten Hirten vergegenwärtigen. Jesus Christus, der das Verlorene niemals aufgegeben hat, der niemanden zurück gelassen hat, der das Leid gelindert hat wo er nur konnte. Der gute Hirte, der die Schwachen stark gemacht hat; der vor Gefahren nicht davon gelaufen ist; der sein Leben für das ihm Anvertraute gelassen hat.

Man könnte fast meinen, das Jesus der gute Hirte wie aus dem Bilderbuch, ist. Und dabei wissen wir doch, das selbst für Jesus Christus das Hirtenamt nicht nur reines Zuckerschlecken war. Wir wissen aus seiner Geschichte heraus von den Schwierigkeiten, den Herausforderungen, den vielen Hindernissen. So ist er als Hirte ganz bei uns und an unserem Leben. Er reiht sich in unsere Herde ein und wird so Hirte und Lamm zugleich.

Das verbindet uns mit Jesus. Unsere Nachfolge lässt uns zu Schafen werden, wenn wir in Bildern denken möchten. Ja wir folgen den Zeugnissen der heiligen Schrift, wir legen unser eigenes Leben vertrauensvoll in die Hände Gottes und seines Sohnes Jesus Christus. Wir selber geben uns dem Glauben hin und dem was Jesus Christus uns selber in so vielen Hinsichten vorgelebt hat. Eben auch die „Trauerherzigkeit“, was MISERICORDIAS DOMINI also unser Sonntag im Kirchenjahr an diesem Wochenende, übersetzt bedeutet. Die Trauerherzigkeit ist die Fähigkeit die Schwachen und ihre Schwächen bewusst wahrzunehmen; sich berührt zu fühlen von anderen Menschen, deren Gefühlen und Schicksalen; es geht um die Achtung vor der Verletzlichkeit von Menschen und die Bereitschaft dem Gegenüber zu helfen wann immer es nötig ist und einander aufzubauen, wenn die Traurigkeit im Leben Einzug hält.

Durch diese persönliche Haltung werden wir nicht nur zu Vorbildern sondern gleichzeitig auch selber zu Hirten. So gehen wir unseren Lebensweg in Begleitung mit Gott und in seinem Willen.

Wir sind eben nicht nur auf dieser Welt um uns leiten zu lassen, nein, wir sind selber mehrmals am Tag die Hirten. Immer dann wenn wir unseren Kindern oder Enkelkindern durch die kleinsten Schritten durch den Alltag helfen, wir andere Menschen dabei begleiten unsere Welt zu entdecken, wir ein Lachen verschenken und Freude geben, wir Ratgeber, Tröster oder Seelenwärmer sind, wir aufeinander aufpassen und Acht geben, dass niemand verloren geht, wir unserem Gegenüber Respekt zollen und aus tiefstem Herzen lieben.

Es ist sicherlich nicht immer einfach ein Schaf oder ein Hirte zu sein. Beide Rollen mit ihren jeweiligen Aufgaben sind mit Herausforderungen und so manchen Ängsten bestückt. Es kann hilfreich sein, wie ich finde, sich bewusst zu machen wann in unserem Leben wir uns gut behütet und sicher; wir uns ehrlich geachtet und beachtet gefühlt haben; aber auch ehrlich für sich zu reflektieren, wann einem die Herde und so die Gemeinschaft geschadet oder nur einfach zu viel geworden ist. Nur wenn ich selber weiß was ich fühle, was mir gut tut oder was mich belastet, kann ich empfindsam mit anderen Menschen umgehen. Ob Schaf oder Hirte – wir werden niemals in unserem Leben alles immer nur richtig machen, wir sind und bleiben eben perfekt unperfekt. ABER wir sind niemals alleine und können uns auf unseren guten Hirten verlassen und darauf vertrauen, dass er es gut mit uns meint:

Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist. Ja, ihr sollt meine Herde sein, die Herde meiner Weide, und ich will euer Gott sein, spricht Gott der Herr.

So bewahre Euch diese Liebe Gottes, in euren Herzen und Sinnen, durch Jesus Christus unseren Herrn.

Amen.

Schlagworte: predigt

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  • Zuletzt geändert: 28.11.2020 13:24
  • von Manuel Krischer